Wie aus einer imaginären Kreuzfahrt ein Traumurlaub wurde

IMG 20170531 1332221IMG 20170531 133222107.06.2017 (CG) - Das Seniorenzentrum Franziskuskloster-Lindenplatz veranstaltete vom 29.05. – 04.06.2017 für die rund 175 Damen und Herren des Pflegebereichs und des Betreuten Wohnens die Projektwoche „Urlaub Ohne Koffer“. Für die meisten der alten Menschen ist Urlaub in der Ferne inzwischen ein nur schwerlich oder nicht mehr erfüllbarer Wunsch. So wurden sie unter dem Motto „Kreuzfahrt mit der M.S. Franziskuskloster“ zur Teilnahme an bis zu fünfundvierzig Veranstaltungen und Aktivitäten im und außer Haus eingeladen.

Anhand des vorher herausgegebenen „Reiseprospektes“ war es möglich, frühzeitig einen eigenen Plan für die Woche zu entwerfen – und Vorfreude zu entwickeln. Schnell war das Projekt in aller Munde, auch bei Mitarbeitern, Angehörigen und Freunden des Hauses. Das Echo war bereits im Vorfeld so überwältigend, dass z.B. für mehrere Tagesauflüge größere Busse nachgeordert werden mussten. Überhaupt stellte die Planung und Organisation für die verantwortlichen Mitarbeiterinnen des Sozialkulturellen Dienstes, Melanie Koll (Ergotherapeutin) und Barbara Arns (Sozialarbeiterin), bereits seit August vergangenen Jahres eine Mammutaufgabe dar, die eine exzellente Kenntnis der Klientel, Kreativität, Voraussicht und Koordinierungsgabe forderte.

IMG 20170603 1437121IMG 20170603 1437121Die Tagesziele der Kreuzfahrt waren Belgien, Niederlande, Italien, Bayern (über den Rhein-Main-Donau-Kanal, versteht sich!), Frankreich und USA. Dem entsprechend stellte das Programm täglich rund sieben Veranstaltungen zur Wahl. Hier einige Beispiele: Frühsport auf Deck 0, Landgang in Aachens Innenstadt, Ausflüge gemäß Tagesziel in Städte der Euregio, „Gondelfahrt“ auf dem Rursee, Kreativ-Workshops wie „Wir machen Pralinen selbst“ oder „Zeichnen wie in Montmartre“, Verköstigung italienischer Weine mit Live-Musik in der Taverna Azzura, Tanz-Café Amsterdam, Café Cadillac mit eigens aufgestellter Jukebox und Cocktail-Bar sowie als Höhepunkt das Captain´s – Dinner im Café-Restaurant des Hauses mit der Hausleitung.

Hausbewohner, denen das Verlassen des Zimmers nicht möglich war, mussten nicht außen vor bleiben. Interessierte erhielten Besuch von der Seelsorgerin. Mit einem Erinnerungs-Set, bestehend aus Gegenständen wie Reisekatalog, Sonnenbrille, Straßenkarte oder Fernglas regte sie die Besuchten dazu an, sich die eigenen Erfahrungen mit dem Thema Urlaub ins Gedächtnis zu rufen.

Die Annahme des Projektes durch die Mieter, Bewohner und Angehörige übertraf die Erwartungen. Täglich waren die Aktivitäten Haupt-Geprächsthema; man tauschte sich untereinander darüber aus, woran man schon teilgenommen und was man noch vor hatte. Auch ungewohnte Tätigkeiten, wie z.B. der Roulette- und Pokertisch im „Casino Royale“ weckten Neugier und machten zahlreiche Hochbetagte erstmals in ihrem Leben zu leidenschaftlichen Zockern. Zitat einer Hausbewohnerin am sechsten Tag: „Eben habe ich mal alle Mittagsschläfe nachgeholt, die ich in dieser Woche vergessen hatte.“ Ein Lehrsatz des österreichischen Pflege-Wissenschaftlers Erwin Böhm dürfte in diesen Tagen seine Bestätigung gefunden haben: Erst die Seele bewegen, dann den Körper.

Das Projekt war eine Gemeinschaftsleistung vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aller Fachbereiche des IMG 20170603 1026311IMG 20170603 1026311Hauses. Für landestypische Gaumenfreuden sorgte die Küche, tägliche Raumvorbereitung und Dekoration war nicht ohne die Haustechnik und Hausreinigung möglich, die Betreuung der Veranstaltungen oblag den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Sozialkulturellen Dienstes, Hilfe bei der täglichen persönlichen Vorbereitung der Teilnehmer leisteten die Pflegerinnen. Nicht zuletzt war es die beherzte Entscheidung des Hausleiters, Markus Laumen, personelle und materielle Ressourcen für eine Ausnahmewoche zur Verfügung zu stellen. Auch großzügige finanzielle Mittel des Fördervereins "Verein zur Förderung der stationären Altenhilfe und Betreuung Franziskuskloster-Lindenplatz e.V. trugen zur Realisierung bei.

Mit dem Festgottesdienst am Pfingstsonntag wurde in der „Bordkapelle“ der offizielle Schlusspunkt der Kreuzfahrt gesetzt. Dankbar blickten die Menschen auf eine Woche zurück, in der sie zwar weniger Landesgrenzen, dafür umso mehr die Grenzen des Alltags überschritten hatten.

Eine Teilnehmerin sagte es so: „Es war fast wie auf einer echten Reise“.

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